Nilam Farooq

Schritt für Schritt nach vorn

Nilam Farooq ist glücklich: Denn im Moment geht es für die Jungschauspielerin steil bergauf. Nachdem sie schon eine Handvoll Gast- und Nebenrollen in Formaten wie "Kommissar Stolberg", "Bella Block", "Danni Lowinski" oder "Der Alte" übernommen hatte, gehört die 24-Jährige seit Anfang des Jahres dem Ermittlerteam von "SOKO Leipzig" (neue Folgen ab Freitag, 25. Oktober, 21.15 Uhr, ZDF) an - als fast vollwertiges Mitglied. Farooq spielt die attraktive Assistentin Olivia Fareedi. Dabei handelt es sich zwar um keine Haupt-, aber immerhin eine dauerhafte Nebenrolle. Das ist besser als ein einmaliges Engagement. Und viel besser als gar keines, wie die gebürtige Berlinerin aus eigener Erfahrung weiß. Die Richtung stimmt also.

Wo es einmal hingehen sollte, wusste Nilam Farooq schon als Teenager. Mit 14 Jahren fing sie in der Komparserie an - was ihr bald "zu blöd" wurde: "Ich dachte mir, ich will nicht nur hinten durchs Bild laufen. Ich will spielen!" Für die junge Nilam war der Plan, Schauspielerin zu werden, früh in Stein gemeißelt. Ihr pakistanischer Vater und ihre polnische Mutter nahmen die Sache anfangs weniger ernst - ihre Tochter sollte lieber etwas "Ordentliches" machen. "Sie sagten: 'Mach das, was du liebst. Aber sieh zu, dass du auch ein zweites Standbein hast."

Ob sie dem wohlgemeinten Rat ihrer Eltern nachkam? "Nein. Ich habe mich voll und ganz in die Schauspielerei reingehängt und mich darauf fokussiert." Ein zweites Standbein war in dem Plan der zielstrebigen jungen Dame nicht vorgesehen. Ab 2006 ließ sich Farooq im privaten Coaching zur Schauspielerin ausbilden; gleichzeitig tat sie ihre ersten kleinen Schritte im Fernsehen, übernahm unter anderem Gastrollen in den Serien "Alle lieben Jimmy" und "Türkisch für Anfänger".

Und dann, scheinbar plötzlich, ging es nicht mehr weiter. Auf einen verheißungsvollen Start folgten "zwei Jahre, in denen überhaupt nichts klappte". Zwei Jahre, in denen die Eltern Recht behalten wollten. Zwei Jahre, in denen Nilam Farooq auf der Stelle trat. "Das Leben", erklärt sie rückblickend, "bestand in dieser Zeit aus Phasen der absoluten Euphorie und solchen Phasen, in denen alles beschissen ist." Einladungen zu Castings gab es durchaus: "Geil! Eine neue Chance!" Und dann, mit frustrierender Regelmäßigkeit: Absagen, Absagen, Absagen.

Wenn sie über die "langen zwei Jahre" spricht, merkt man der sonst so heiteren Nilam an, wie sehr diese Zeit an ihr nagte. Aber aufgeben? Nein: Dranbleiben. Biss zeigen. "Ich habe immer geschaut, dass ich mich schauspielerisch weiterbilde. Dass meine Fotos aktuell sind. Dass meine Demobänder aktuell sind. Ich habe getan, was ich konnte."

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Auftrag kam endlich wieder Bewegung in Farooqs Karriere. Vorwärts ging es dabei aber erst mal nicht - eher seitwärts. Sei 2010 dreht die selbsterklärte Autodidaktin YouTube-Videos zu Themen wie Make-Up, Fashion und Lifestyle: "Es konnte nicht ewig so weitergehen. Ich wollte etwas Eigenes machen, aus dem Willen heraus, selbst Herr zu sein über das, was passiert. Ich wollte nicht mehr abhängig sein und warten." Als "daaruum" ist Farooq nun ihr eigener Boss, wie sie stolz erklärt. Und das mit Erfolg - inzwischen zählt sie eine halbe Million Abonnenten. Dass sie sich als YouTube-Star doch das von den Eltern beschworene zweite Standbein aufbaut, würde Nilam Farooq nie zugeben. Und doch: "Ich kann tatsächlich von YouTube leben. Und das fühlt sich gut an."

Mehr noch: "Daraus, dass die eine Sache läuft, kann ich Selbstbewusstsein für das andere schöpfen." Von Redakteuren und Produzenten will sich die junge Frau, die spürbar erstarkt aus ihrer Krise hervorgegangen ist, nicht mehr einschüchtern lassen. Und um eine Rolle betteln wird sie erst recht nicht: "Ich traue mich heute viel eher, meine Meinung offen zu sagen, weil ich nicht mehr so abhängig bin. Heute kann ich zu einem Casting gehen und sagen: 'Lasst uns zusammen arbeiten. Ich entscheide dann, ob es für mich passt, und ihr entscheidet, ob es für euch passt." Bei "SOKO Leipzig" passt es. Seit August letzten Jahres dreht Farooq regelmäßig für die ZDF-Serie.

Angst, nach mehreren Auftritten im Krimi-Genre in eine Schublade zu rutschen, hat Farooq nicht - wegen der "langen zwei Jahre", aus der sie neben ihrer neuen Stärke auch ein gesundes Maß an Demut mitgenommen hat: "In diesen Zeiten bin ich froh, dass ich Arbeit habe." Wie es mittelfristig für sie weitergeht, weiß Farooq nicht. Wichtig sei ihr ohnehin nur eines: Dass es "weiter nach vorne" geht.

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Diese News wurde am 18.10.2013 um 17:08 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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