Marmeladen-Abo

Bis die Arbeit Früchte trägt

Ein Abo für Fruchtaufstrich – darauf muss man erst einmal kommen. „Daily Marmelade ist das weltweit erste Abonnement für Marmelade“, erklärt David Zacharias, einer der Gründer. „Wer bei uns Kunde ist, bekommt jeden Monat ein Glas handgemachte Feinschmecker-Marmelade per Post direkt nach Hause geliefert.“ Über 75 Sorten sind im Angebot. „Was dann monatlich im Päckchen steckt, ist eine Überraschung.“

2007 wurde Daily Marmelade in Dresden gegründet. Vorher hatten die Gründer Webdesign studiert und waren „in der rein digitalen Welt unterwegs. Dadurch hatten wir den Bezug zur stofflichen Welt etwas verloren“, erzählt David. Sie wollten deswegen einen Online-Handel aufziehen. Aber es gab damals für fast alles schon einen Shop im Netz. „Wir dachten: Ein Abonnement wäre eine tolle Idee. Bei einem WG-Frühstück haben wir dann gesagt: Marmelade – das ist doch eigentlich ein tolles Produkt. Damit war Daily Marmelade geboren.“

Von Schulfreunden zu Kollegen

2009 stieg Marco Stolle in das Unternehmen ein, 2011 kam Malte Legenhausen dazu – die drei 1985 geborenen Existenzgründer kannten sich schon von der Oberschule. Nachdem sie ihr jeweiliges Studium abgeschlossen hatten, kamen sie wieder nach Bremen und zogen in ein Büro in der Überseestadt. „Neben den Marmeladen machen wir noch Webdesign – häufig auch in Kombination mit Shop-Systemen“, erklärt David. „Alles, was wir für Daily Marmelade gemacht haben, ist selbst e entwickelt, inklusive der Anwenderseite.“ An der wird auch immer noch gearbeitet – inzwischen kann man beispielsweise beim Bestellen Lebensmittelunverträglichkeiten angeben, sodass auch Allergiker auf ihre Kosten kommen.

Früher wurde die Marmelade von einer Verkäuferin auf dem Bauernmarkt hergestellt, bis die benötigten Kapazitäten zu groß wurden. Inzwischen werden die Fruchtaufstriche, wie sie laut EU-Verordnung bezeichnet werden müssen, in einer nordrhein-westfälischen Manufaktur erzeugt.



Wer kommt auf die Ideen für Sorten wie Maracuja-Creme mit weißer Schokolade oder Schlehe mit Portwein? „Einen Großteil beziehen wir aus dem Sortiment der Manufaktur, das sich saisonal angepasst ändert“, sagt David. „Wenn wir größere Mengen abnehmen, können wir uns etwas überlegen, das sie dann in ihrer Versuchsküche probieren. Dann sagen sie ‚Die Idee war gut, aber lasst es lieber ...‘ – oder sie setzen es um.“ Die Sortenauswahl scheint gut anzukommen: Momentan verschickt Daily Marmelade monatlich etwa 800 Pakete. Alle Abos laufen automatisch aus – „es ist keine Abo-Falle“, betont David.

„Beratung kann nie schaden“

Auf die Frage, ob sie sich vor der Gründung professionell haben beraten lassen, grinst David. „Wir haben den umgekehrten Weg gemacht: Erst alle Fehler selbst machen und danach hören, wie man es hätte richtig machen müssen.“ Seit Kurzem sind sie im Förderprogramm BRUT. „Da haben wir einerseits Seminare zu den Grundlagen gehabt, aber auch Teams-Coachings, Verkaufsseminare und so weiter. Beratung kann nie schaden.“

Große Investitionen waren für die Gründung von Daily Marmelade nicht nötig. „Wir wachsen komplett aus eigenen Mitteln“, sagt David. „Schwarze Zahlen haben wir schon immer geschrieben.“ Vom Verdienst zu leben, war allerdings zu Beginn nur mit der Unterstützung der Familie möglich. „Aber jetzt erhöhen wir langsam unser Gehalt und haben die Grundsicherung erreicht. Gerade kommen wir in die Phase, in der man nicht mehr nur Zeit investiert, sondern die Arbeit langsam Früchte trägt.“ Hat sich die Mühe für David gelohnt? „Definitiv! Mit der Selbstständigkeit hätte ich noch früher anfangen können. Mit unserem heutigen Wissen – wie interessant es sein kann, selbstständig zu sein, und wie einfach manches ist, von dem man glaubt, es
sei schwer – hätte ich schon während der Schulzeit begonnen. Vielleicht hätte ich nicht einmal studiert.“ Nicht ganz allein mit einem Unternehmen zu sein, findet David entspannend. Zum einen gebe es eine Kontrollinstanz, zum anderen die Sicherheit, dass das Geschäft weiterläuft, wenn man einmal krank wird oder in den Urlaub fährt.

Risikobereitschaft gehöre zur Selbstständigkeit allerdings dazu: „Man muss schon ein bisschen dafür geschaffen sein und darf nicht zu sehr über alles nachdenken.“ Wichtig sei es, die gesunde Fähigkeit zu haben, Dinge zu verdrängen – „ohne wichtige Sachen aus dem Auge zu verlieren. Es heißt auch ‚selbst‘ und ‚ständig‘: Man muss sich selbst organisieren können, und besonders am Anfang gehören
Überstunden dazu. Dafür hat man auch die Möglichkeit, Sachen selbst zu erschaffen und sein eigener Herr zu sein.“ Einige Ratschläge gibt David Existenzgründern in spe mit auf den Weg: „Konzentriert Euch auf das Wesentliche. Macht Euch nicht um alles Gedanken, ruhig etwas wagen. Viel netzwerken, Kontakte schaffen, keine Angst vor Institutionen haben, Rat und Tat holen – und das Meiste ist
Glück und Zufall.“

Alena Mumme

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Diese News wurde am 24.01.2013 um 16:28 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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